Das Waiblinger Vocalensemble widmet sich in diesem Konzert ausschließlich der englischen Chormusik und schlägt dabei einen Bogen vom 16. bis zum 20. Jahrhundert. Es beginnt mit dem feierlichen Abendmahlsgesang „O sacrum convivium“ von Thomas Tallis, der im polyphonen Stil seiner Zeit das gemeinsame Mahl, das angekündigte Leiden Christi und die Erlösung ausgestaltet hat.  Rund hundert Jahre nach Tallis lebte der Großmeister des englischen Barocks, Henry Purcell. Von ihm erklingt die achtstimmige Vertonung des 102. Psalms  „Hear my prayer, oh Lord“, in der die inständige Bitte um Erhörung, zunächst von einer einzelnen Stimme vorgetragen, sich immer mehr steigert und – verzweifelt und hoffnungsvoll – mit  vollem Forte aller Sänger  endet: „Lass mein Schreien zu dir kommen!“

Zwei Motetten von Charles V. Standford führen in die klang- und sehnsuchtsvollen Räume der Romantik; dabei wird das Glück der Gerechten besungen, deren Weg am Ende  - in Harmonien schwelgend - ins Paradies führt.

Das zwanzigste Jahrhundert ist mit selten gehörten Werken gleich dreimal vertreten: Von Frederik Delius erklingt ein „Gesang für eine Sommernacht auf dem Wasser“. Die überaus dichte Komposition spielt mit wunderbar leichten, immer ineinander übergehenden, oft chromatischen Klängen in teils vertrauter, teils an den Jazz erinnernder Harmonik. Besonders lautmalerisch sind drei Shakespeare Songs von Ralph V. Williams. Da erklingen Totenglocken, die Elfen huschen durch den Wald; und der Komponist entführt seine Hörer in Traumwelten, denn, wie Shakespeare sagt, „we are such stuff as dreams are made on (wir sind aus dem gleichen Stoff wie Träume).

Die Vertonung des 70.Psalms durch den modernen Klassiker Benjamin Britten gehört in die letzten Wochen des Kirchenjahres bis Allerheiligen. Inhaltlich sowie musikalisch knüpft Britten an den von ihm verehrten Purcell an, denn er verwendet in seiner Motette, die den Weg zum Grab begleiten soll, auch  musikalische Mittel des Barock.  Auch hier ist die flehentliche Bitte nach Erlösung und Hilfe Gottes musikalisch kongenial umgesetzt.

Der Abend klingt aus mit Purcell: „Nunc dimittis“ , das Abschiedslied des alten Simon: „Herr, nun lässest du deinen Diener in Frieden fahren“. Zwischen den Motetten ist Teresa Ritter-Schütz mit Kompositonen englischer Komponisten auf der Querflöte zu hören.